Mir bin wie mir sinn von Hans-Walter Lorang

Mit dem Prädikat Mundarttext des Monats zeichnet die ‘bosener gruppe’ im Juli 2008 den Liedtext Mir bin wie mir sinn des Moselfranken Hans-Walter Lorang aus.

Darauf hat sich die Gruppe bei ihrem letzten Treffen verständigt, teilte die Sprecherin der Gruppe, die Schriftstellerin Karin Klee, weiter mit.

Mir bin wie mir sinn

Da Guschdav is so guurisch
Der macht net vill daher
Der lout Da glatt eh Deich vasicht
De Séißschmeer von da Schmier

Da Klääs der kommt net vorran
Mei Gott wat is der lahm
Dem kannschd em Gehn de Socken stoppen
Awwa trotzdem kommda aan

Et is net ääna wie der anna
Jeda aanaschd Gott sei Dank
Unn jeda hat sei Tuppen
Mir lachen ous driwwa krank

Mir bin wie mir sin
Unn wie mir bin so sin mir
Mir bin wie mir bin
Halt wie ma sin

Da Iwwagänga Ildefons
Toujours perré aus em Haus
Oowends do geht der nie in
Unn morjens kommda net raus

La Leo der lient wie gedruckt
Wat der beet dat is gelooh
Doch manch Leit ginn halt gäär betuppt
Die Dirmeln macht der froh

Et is net ääna…

Da Pitt is dat en Praddela
Schwaduddelt Da wat voar
Wääß alles – awwa bessa
Unn a männt a wär noch kloar

Ma saat der lo is domm geboar
Hat neicht dabei gelehrt
Ma kinnt den Spruch glatt glääwen
Wemma manch Leit schwätzen heert

Et is net ääna…

Die Autorin Hildegard Driesch schrieb zu dem ausgezeichneten Text:

»Mir bin wie mir sinn« – dieses Lied stammt aus der Feder eines der herausragenden saarländischen Mundartautoren und -liedermacher, es ist von Hans-Walter Lorang. Er hat, musikalisch unterstützt von Richard Bauer, mehrfach an Fernsehsendungen (u. a. »Kein schöner Land« und »Fahr mal hin«) teilgenommen und hat mehrere LPs, CDs und Bücher veröffentlicht. So ist es nicht verwunderlich, dass die Auszeichnung für den Text des Monats so ganz nebenbei auch eine Gratulation zu seinem 25-jährigen Bühnenjubiläum darstellt. Hans-Walter hat seine ersten Lebensjahre in Berus verbracht, dort wo er auch heute wieder wohnt, nahe der lothringischen Grenze. Er schreibt und singt in seiner moselfränkischen Beruser Muttersprache, also wie ihm der »Schnawwel gewahs« ist, und kann dadurch ältereren Mundartausdrücken dazu verhelfen, dass sie eine Überlebenschance haben, vielleicht sogar erhalten bleiben. »Mir bin wie mir sinn« ist ein »früher Lorang« aus dem Jahr 1992 und es spiegelt sich die außergewöhnliche Beobachtungsgabe des Autors darin. Hans-Walter Lorang entlarvt mit scharfem, aber wohlmeindendem Blick die Eigenheiten, die Marotten, die »Tuppen« seiner Mitmenschen. Er beschreibt diese mit Leichtigkeit, fasst seine Worte in Reime und schon tauchen sie alle auf, die personifizierten Schwachstellen menschlicher Natur: Den Guurijen, den Langsamen, den Iwwagänga, den Lienad, den Praddela. Der Leser bzw. Hörer hat das Gefühl, wenigstens einen dieser Mitmenschen mit all dessen Merkwürdigkeiten zu erkennen. Oder findet am Ende in der einen oder anderen hier beschriebenen Gestalt sich selbst wieder.