Mein Katz von Harald Ley

Als Mundarttext des Monats Juni 2008 wird das Gedicht Mein Katz des saarländischen Mundartautors Harald Ley prämiert. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie die Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man diesen Text von Ley ausgewählt, um den besonderen Wert der Mundartsprache in einem knappen, pointierten Gedicht zu verdeutlichen.

Mein Katz

De Aauen treif,
de Ohren zou,
de Krallen stomp,
et Fell verroppt,
all Grääten kromm.
Enn Pein wie’t Leiden Christi.

Onn doch
Gedold
äss wie kään Minsch
kään Gejòòmer,
kään Geschrei.

Mein Katz
äss wäärt’n Minsch,
se duurt meich,
mein alt Katz.

Mein Katz geht sterwen.

Georg Fox, Mitglied der ‘bosener gruppe’, zu dem prämierten Text:

Es ist sicherlich ein ungewöhnliches Gedicht, mit dem Harald Ley das Sterben seiner Katze Helene beschreibt. Das Tier, welches sonst ein Synonym für Lebendigkeit, Jagdtrieb und Anschmiegsamkeit war, wird holzschnittartig skizziert mit Gedanken, bei denen man den Tod ganz nah spürt.

Ley lebt und leidet mit dem Tier, er begleitet es mit seinem Mitgefühl, auch wenn von manchem Menschen gesagt wird, es sei doch »nur« eine Katze, die da stirbt. Bei Ley liest sich das anders. Er beschreibt die Katze als bemitleidenswert, zugleich aber ausgestattet mit einer Geduld wie kein Mensch. Die Katze »dauert« ihn, weil sie ein Teil seines Lebens war. Sie war ein Stück des Mundartlebens und verdient deshalb einen Text voller Poesie und Traurigkeit. Besonders eindrucksvoll die mundartliche Wendung: »Mein Katz geht sterwen«. Es ist die typische Ausdrucksform des Saarländers, der bei so vielen Vorgängen die Bewegung sieht. Ein Katzenleben, ein Mundartleben!