De Noopern von Manfred Moßmann

Als Mundarttext des Monats Oktober zeichnet die ‘bosener gruppe’ das Gedicht De Noopern des moselfränkischen Dichters Manfred Moßmann aus.

Das Kolloquium der Gruppe hat sich, wie der Sprecher der Gruppe, Peter Eckert, mitteilt, für diesen Text entschieden, weil er darin nicht etwa die Menschen karikiert, die diese Hochwälder Mundart sprechen, sondern allen anderen, wir selbst eingeschlossen, einen Spiegel vorhält.

De Noopern

Doo äs alles än der Reih,
Bei dn Noopern.

Do äs et am Höhs piggobello,
Bei dn Noopern.

Dennen ihr Känner see gezillt,
Bei dn Noopern.

Die kennen sich eppes gönnen,
De Noopern.

Die hun emmer et nä.uscht Geschier,
De Noopern.

Die hun e scheene Goopen op ihrm Konto,
De Noopern.

Wenn hat dir daat dann alles verzellt?
Ei, de Noopern!

Peter Eckert, Sprecher der ‘bosener gruppe’, schreibt zu dem Gedicht:

Freunde kann man sich aussuchen, Familie und Verwandte hat man. Damit ist allerdings noch nichts darüber gesagt, wie gut oder schlecht wir es im Einzelfall mit ihnen getroffen haben (oder sie mit uns). Immerhin: Dieser Gedanke möchte uns glauben machen, dass die Welt sich sauber scheiden lässt in Freiheit und Schicksal. Wie gut, dass es die Nachbarn gibt, diese Personengruppe, die eine, das schiefe Bild sei erlaubt, schillernde Grauzone bilden zwischen den beiden genannten Gegenpolen.

Auch hier gibt es reichlich Stolpersteine: Einer davon ist das Vergleichen, aus dem viele Menschen gerne als Sieger hervorgehen möchten. Vergleichen, das kann die eher verhaltende Form sein, also Pelz nach innen, wie es Hanns Dieter Hüsch formuliert hat, und im Übrigen die eigenen Vorzüge nur kräftig andeuten.

Beliebt ist aber ebenso die Methode, die Umwelt auch unaufgefordert wissen zu lassen, wie gut man gegenüber den weniger fabelhaften Mitmenschen dasteht. Diese Nachbarn sind es, von denen Moßmann berichtet: Bei denen ist alles, aber auch alles in Ordnung, pikobello sozusagen. Die Kinder sind wohlerzogen. Alles ist da neu und vom Feinsten, denn sie können sich was leisten und haben trotzdem auch noch Geld über Geld auf ihrem Konto angehäuft.

Dies alles ist zwar nicht durch irgendwelche Belege oder das kundige Zeugnis unabhängiger Dritter nachgewiesen, das muss aber nicht sein. Warum? Ganz einfach: Wir erfahren es doch von denen, die es am besten wissen müssen, den betroffenen Nachbarn selbst. Und weil sie so hervorragende Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft sind, zweifeln wir doch keinen Augenblick an deren Wahrheitsliebe. Oder?

Neben seinem mit wenigen Strichen gezeichneten Bild der Nachbarn regt diese nachgeschobene Quellenangabe besonders zum Schmunzeln an: «Wenn hat dir daat dann alles verzellt? – Ei, de Noopern!« Sie hält die eigene Entscheidung offen: Lassen wir es dabei, sie nur zu bewundern oder zu beneiden, oder erzählen wir auch mal was Gutes über uns?

Manfred Moßmann, moselfränkischer Dichter aus Zerf führt uns in seinem Gedicht nicht nur die Menschen vor Augen, die seine Hochwälder Mundart sprechen, sondern hält auch allen anderen einen Spiegel vor, wir selbst eingeschlossen.