Et Fréihjòhr fréihjer von Harald Ley

Mit der Auszeichnung Mundarttext des Monats ehrt die ‘bosener gruppe’ im April den Text Et Fréihjòhr fréihjer des Saarlouiser Autors Harald Ley.

Et Fréihjòhr fréihjer

Enn Kénd gääkst vòr Frääd
onn dreift off der Schossee
mét seiner Gääschel
enn Dilldopp vòr séch her.

Kléckern kullern vomm
Trottoar énn de Kullang,
enn Rääfen rompelt
iwwer de Powai.

Émm Stall bréllert enn Kouh
fò nòh draussen.
Lòò hénnen émm Hoff
dengelt der Opa sein Sens.

Véir Héihner verzänken séch
omm enn dooden Maaikipps,
onn der alt Hahn kräht
sein roschdisch Lieder.

De Geissen verlachen
laut meckernd de Sonn,
de Nòhpersch hänkt Wäsch off
onn peift grailéch schròò.

Et Schwein quiekst vòr Gléck
noch enn Sommer se hann,
owem Baam huckt de Katz
vomm Waldi verbellt.

Durch et offen Kichenfenschder
kleppern de Tellern
onn roufen mém Méttachslauden:
Et Essen steht omm Désch.

De Louft ziddert ganz laut
onn mein Herz vòr Frääd

Ma konndet nét iwwerhäären
Et Fréihjòhr
fréihjer

Zum April-Text schreibt die in Wadern lebende Schriftstellerin Karin Klee:

Harald Ley ist gar nicht so alt, wie er in der Überschrift zu seinem Gedicht »Et Fréihjòhr fréihjer« dem Leser Glauben machen möchte. Er ist Jahrgang 1949, zählt heute also kaum 60 Lenze. »Fréihjer« bedeutet daher in Leys Text nicht etwa vor langer langer Zeit, sondern damals, als Kinder draußen und auf der Straße spielten, als das Muhen der Kühe, das Gackern der Hühner, das Quieken der Schweine, das Meckern der Ziegen und Hundegebell ein selbstverständlicher Teil der dörflichen Geräuschkulisse gewesen sind. Da hing die Nachbarin laut und falsch pfeifend die Wäsche zum trocknen auf, um anschließend bei offenem Fenster mit dem Essgeschirr zu klappern. Das ist in einigen Gegenden des Saarlands noch bis in die 1980er Jahre so gewesen. Harald Ley ruft diese vergangenen Szenerien in Erinnerung und zieht dabei unmerklich Bilanz, ohne selber den Hauch einer Wertung abzugeben. Nur ganz zum Schluss seiner Bilderreise durch Tage, die so nicht mehr erlebt werden können, rückt er mit der Sprache heraus und gibt dem Leser einen kleinen Hinweis darauf, wieso er sich, gerade wenn es Frühling wird, an das Frühjahr früher erinnert.