Fir Winnachde bin isch do von Marcel Adam

Im Dezember zeichnet die ‘bosener gruppe’ das Lied Fir Winnachde bin isch do des Lothringer Sängers und Autors Marcel Adam als Mundarttext des Monats aus. Darauf hat sich das Kolloquium der Gruppe bei seiner letzten Tagung verständigt.

Fir Winnachde bin isch do

Witt von dehämm
Isch so monsches onnerschda
Unn wenn isch trääm
Donn von Noel au Balkon
‘sch bin min Läbdaa
Noch nie so long rumgezoh
Awwer Mama
Fir Winnachde bin isch do

Hier im Norde
Sitz isch elähn uff min Bett
Unn antworde
Din Brief so schnell es nur geht
Met din Mandat (Überweisung)
Kaaf isch mo Chocolat blanc
Liewe Mama
Fir Winnachde bin isch do

Ich bät fir eisch
Alle, un fir disch Nina
Wo de graad leisch
In din rosa Pyjama
Fehlsch ma schrecklich
Jedi Minut gesch mo no
Papa driggt disch
Fir Winnachde bin isch do

‘s geht ma prima
Alles onn’re wär geloh
Isch a’s Klima
In dem Kitsche ganz scheen roh
‘s kummt e Splidder
Freiheit, e Stick Himmelblo
Durch min Gidder
Fir Winnachde bin ich do

Zum ausgezeichneten Text schreibt die in Dillingen-Pachten lebende Autorin Hildegard Driesch:

Marcel Adam wird von Kollegen wie Kritikern als »echte Vielfachbegabung« beschrieben. In der Tat ist er ein Entertainer, der schreibt, komponiert und musiziert. Ausserdem ist er Radiohörern seit einigen Jahren als »Schompierre« bekannt, welcher in Anekdoten aus dem eigenen Leben und dem seiner häuslichen und »grenzenlosen« Nachbarn berichtet. Kein Wunder: der Vielbeschäftigte ist in Großblittersdorf, vom Saarland aus gesehen, gerade »hinter« der Grenze, zu Hause. Marcel Adam schreibt/singt in französischer, deutscher und moselfränkischer Sprache.

Sein »Dezemberlied« setzt sich auf eine ganz besondere Art mit dem christlichen Fest der Geburt Jesu auseinander. Darin schreibt ein – vermutlich junger – Mann an seine Mutter. Das Schicksal hat ihn in den Norden verschlagen, mehr noch, er sitzt im Gefängnis. Und dort befällt ihn die Sehnsucht nach zu Hause, nach der Geborgenheit in der Familie. Das Lied räumt auf mit dem Klischee, dass die Vorweihnachtszeit friedlich und fröhlich zu sein hat. Wie beschrieben, sieht die Wirklichkeit oft anders aus. So ist »Fir Winnachde bin isch do« ein Vorweihnachtslied der nachdenkenswerten Sorte, ein »Gänsehautlied«.