Schollekloppe von Johannes Kühn

Das Gedicht Schollekloppe des aus Hasborn stammenden, aber weit darüber hinaus bekannten Autors Johannes Kühn wird durch die ‘bosener gruppe’ im Monat März mit dem Attribut Mundarttext des Monats ausgezeichnet.

Die Gruppe entschied sich für diesen Text, weil er sowohl sprachlich, als auch inhaltlich ein gelungenes Beispiel zeitloser Lyrik ist.

Schollekloppe

Scholle se mer kloppe gang
en uus Schdegg
med Groobe.
Hoch iwwer de Kopp de Groobe
onn dann ab.
Aus de Hänn, aus zwei Arme:
Off de Delles, off de Kepp, off de Klompe,
off de Scholle,
nix wie droff,
Schlach om Schlach.
Dä Ramb hadd aus der Fischt geschraijt
vom Wieserand onn von de Hecke,
nix für uus:
Wad woore mer gesammelt,
wad woore mer voll Wut:
Off de Delles, off de Kepp, off de Klompe
off de Scholle,
nix wie droff,
weller wie e Iij
met ihre Zacke, mer ha geschwedzt.
Onn ed Schdegg merren See verglesch,
voor uus grooße Welle met de Scholle,
henner uus med de Kriesegrimmele
glatte Flut. Schee so! Bloose harr ed genn
o Resse en de Hänn,
glatt woore de Greff von de Groobe.
Embertesaft ha mer gedronk
on Tee
noh dem mer drocke Schinkeschmeere gess hann,
ä foor meijsch
o zwei foor meijsch
o foor uus all die honnerte vo Scholle:
Off de Klompe,
off de Scholle,
doo kann dä Hawwer waaße
foor de Heihner,
foor de Schwein!

Dazu schreibt die in Wadern lebende Schriftstellerin Karin Klee:

Die Tage, da ein Bauer im Märzen die Rösslein einspannt, sind lange vorüber. Und auch das, was Johannes Kühn in seinem Gedicht »Scholleklopper« beschreibt, findet so heute nur noch in dem einen oder anderen Nutzgarten statt: Der Ackerboden, dessen Erde umgepflügt oder umgegraben in klobigen Klumpen daliegt, muss von Hand mit einer Art Hacke (»Groobe«) bearbeitet werden, damit die Saat darin aufgehen kann. Johannes Kühn wirft einen Blick auf den enormen körperlichen Einsatz, der hierfür erbracht werden muss. Was heute von einer Egge an dem mit jeder Menge Treibstoff gespeisten Traktor erledigt wird, ist einmal Schwerstarbeit gewesen. Die Frage nach der Energiebilanz wage ich nicht zu stellen, doch hat die Arbeit ohne Maschine in Kühns Text weder etwas Fragwürdiges noch etwas Dramatisches an sich. Da ist die grobe Scholle und in ihr die Notwendigkeit, sie klein zu klopfen. Daneben die Einsicht, dass nur dann etwas gedeiht, wenn der Boden für die Einsaat anständig bereitet worden ist. Und so prägt diese exakte, aber gleichermaßen lakonische Sicht auf etwas sehr Anstrengendes, das man tut, weil es eben getan werden muss, diesen Text. Wird das Gedicht laut vorgetragen, sind Mühe, Härte und Eintönigkeit dieser körperlichen Arbeit spürbar. Bemerkenswert ebenfalls: trotz aller Placker- und Plagerei, die in den Händen Schwielen und Blasen wachsen lässt, kein Wort der Klage! Allein Hunger und Durst, gewaltig und fast unersättlich, werden registriert und gestillt. Übrig bleibt die Gewissheit, dass hier einmal Hafer wachsen wird, der am Ende Eier und Schinkenbrote beschert; zusammen mit Himbeersaft und Tee die ideale Vesper für die nächste Feldschicht.