Sommeròòwend von Harald Ley

Als Mundarttext des Monats August 2010 wird das Gedicht Sommeròòwend des saarländischen Mundartautors Harald Ley prämiert. Darauf hat sich auf ihrer Tagung das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie die Sprecherin der Gruppe, die saar­ländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man diesen Text von Ley ausgewählt, um den besonderen Wert der Mundartsprache in einem knappen, pointierten Gedicht zu verdeutlichen.

Sommeròòwend

Sommeròòwend,
so waarm,
de mennscht,
de wärscht am Meer.

Sommeròòwend,
so weich,
de mennscht,
de leischt am Strand.

Sommeròòwend,
so leicht,
de mennscht,
de kénnscht’n hallen.

Georg Fox, Mitglied der ‘bosener gruppe’, zu dem prämierten Text:

Meist sind es ja die kleinen Beobachtungen im Leben, die uns nur am Rande streifen. Einen »Sommeròòwend« mit einer frischen Brise, den zarten Federwolken und einem unvergleichlichen Sonnenuntergang hat wohl jeder schon einmal erlebt. Das ist so ein Moment, den man gerne festhalten würde, weil es sich für ihn zu leben lohnt. Harald Ley gestaltet das Thema in einer Knappheit und Bildhaftigkeit der Regionalsprache, wie man es in einem kurzen Gespräch darstellen würde. Genau dies macht den Wert des kleinen Textes aus. Hier wird nicht mit großem Pathos oder eindringlicher Symbolik gearbeitet, es sind vielmehr diese bezaubernden, kleinen Empfindungen, die das Erlebnis eines Sommerabends verdeutlichen. Das kleine Gedicht von Harald Ley berührt mich auch deshalb, weil hier in einem sehr einfühlsamen Sprachduktus der Sommerabend greifbar wird. Es ist genau das, was Mundart-Literatur leisten soll: Eine intensive Emotion wird in sprachlicher Schönheit festgehalten und aufbewahrt – vielleicht für kältere Zeiten!