Klàtschrose von Lucien Schmitthäusler

Als Mundarttext des Monats Juli 2010 wird das Gedicht Klàtschrose des Lothringer Autors Lucien Schmitthäusler prämiert, darauf hat sich das Kolloqium der ‘bosener gruppe’ bei seiner letzten Tagung geeinigt.

Man entschied sich für diesen Text, so Karin Klee, saarländische Schriftstellerin und eine Sprecherin der ‘bosener gruppe’, weil er in seiner prägnant knappen, gleichzeitig philosophisch poetischen Art ein gelungenes Beispiel dafür ist, wie die Sprache eines Autors es schafft, mit den bisweilen traurigen Unabänderlichkeiten des Lebens erleichternd umzugehen.

Klàtschrose

De wilde Weschtwind
verschtruw’lt de Reck von Klàtschrose.
Gib mà die Händ, scheni Frau,
loss de Wind blose unn roose,
de Reen reene iwer Wies unn Au.
Kurz isch de Weg vom Lewe zum Dot.
De Rock von de Klàtschros isch rot.

Zum dem ausgezeichnten Text schreibt die saarländische Autorin Ursula Kerber:

Lucien Schmitthäusler, den Übersetzer, Autor und Poeten, geb. 1935 in Saargemünd, muss man hier gewiss nicht mehr näher vorstellen. Es ist immer wieder faszinierend, in seinen Texten – so ernsthaft und kritisch beobachtend sie auch sind – Charme und Schalk, Witz und pure Lebensfreude zu entdecken; dieses »grad ze läd«, wie er selbst an anderer Stelle schreibt. Das ausgewählte Gedicht »Klàtschrose« zeigt diese hohe Kunst in wenigen Zeilen. Es skizziert eine kleine Sommer-, Liebesgeschichte, deren Poesie sich unmittelbar erschließt. Ein Wechselspiel, zart, schmeichelnd und wild zugleich, das Ende schon im Blick. Gerade in diesen Wochen leuchten die »Klàtschrosen« (Klatschmohn, Mohnblumen) weithin sichtbar in den Feldern, eine viel zu kurze Zeitspanne nur. Klàtschrose rot – wir sollten uns die Sommerfreude gönnen, »grad ze läd«.