Daachesablaaf von Gisela Bell

Als Mundarttext des Monats März 2010 wird das Gedicht Daachesablaaf der saarländischen Mundartautorin Gisela Bell prämiert. Darauf hat sich auf ihrer Tagung das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie die saarländische Schriftstellerin Karin Klee mitteilte, habe man sich für dieses Gedicht entschieden, weil es in poetisch-persönlicher Art mit dem natürlichen Umstand des Alterns auseinandersetzt.

Daachesablaaf

Morjens
vun de Veeschel
geruf wòrr. Dangbar
wach genn.

Daachsiwwa
die Seel in die Sunn gehängd.
Im Friehlingswind
baumle gelòss.

Streifziesch
durch Felda, Wälda, Wiese,
iwwa sanfde Hieschel gemach.
Die Aue, die Ohre
vawehnt.

Abseids
vum enge Heisameer
laudlos freigeschwumm.
Wachgeriddeld
Läwe gespierd.

Owends
vum Daach gehämeld
dangbar
ingeschlòòf.
So kinnd isch ald genn.

Zum dem ausgezeichnten Text schreibt Karin Klee:

Wir alle sind Wesen, die an bestimmte Bedingungen, an biologische Gesetzmäßigkeiten gebunden sind: Ein Jedes/r hat seine Zeit. Diese Erkenntnis kann zu gleichermaßen guten wie trüben Gedanken führen. In Gisela Bells Gedicht »Daachesablaaf« erfahre ich, wieviel Positives ein einfacher Tagesablauf zu bieten hat, wenn ich bereit bin, mich mit allen Sinnen auf das einzulassen, was allein die Natur zu schenken in der Lage ist. So versöhnt mich Gisela Bells Text am Ende sogar mit dem Umstand, dass auch meiner Zeit Grenzen gesetzt sind.