Dau von Jean-Louis Kieffer

Als Mundarttext des Monats Mai 2010 wird das Gedicht Dau des aus Lothringen stammenden Mundartautors Jean-Louis Kieffer prämiert. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ auf seiner letzten Tagung verständigt.

Wie die saarländische Schriftstellerin Karin Klee mitteilt, habe man dieses Gedicht ausgewählt, weil es in seiner Kürze und Prägnanz keinen Zweifel daran lässt, wo die Stärke einer jeden Regionalsprache liegt: Im Ausdruck tiefer Verbundenheit.

Dau

Eich vergehn wéi en Greiw in der Pann
Wenn dau mich aakuckscht.

Un mein Blout spruddelt von Freed
Wenn dau géer wellscht.

Et ganz Wasser von der Welt
Séngt in deinen Auen
Un dodrenn
Wéll eich
Ersaufen.

Über den ausgezeichneten Text schreibt der Autor Gérard Carau:

Es gibt Gedichte, die lassen sich nicht kommentieren oder brauchen es nicht, weil sie ganz für sich selber sprechen. Jean-Louis Kieffers Gedicht »Dau« ist eines davon. Es spricht (im Namen von uns allen) einen Partner an, den die Leser nicht kennen müssen, den aber alle ins Herz schließen können, gerade so, wie der Autor es tun. Und gibt es ein schöneres Bild für die Liebe als die »Grieben« in der Pfanne, die vor »Lust zergehen«? Und klingt das dau in unserer moselfränkischen Mundart nicht allemal vertraulicher als »irgendein du«?