fridden von Marlies Böhm

Als Mundarttext des Monats September 2010 wird das Gedicht fridden der saarländischen Mundartautorin Marlies Böhm prämiert. Darauf hat sich auf ihrer Tagung das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie die Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man diesen Text ausgewählt, um den besonderen Wert der Mundartsprache in einem knappen, pointierten Gedicht zu verdeutlichen.

fridden

nadirlich
sénn se
allegaaren
dòò dafòr,
nur…
wenn…
awwer…
nur, wenn…
wenn awwer…
awwer nur…
awwer wenn…
awwer nur, wenn…
nur, wenn awwer…
awwer nur, wenn nett…
nett, wenn awwer nur…
jedenfalls
hat
kääner
äppes dagejen!
nur,
so ganz
ohne
wenn
ón
awwer
geht
et
ääfach
nett!

Die saarländische Autorin Ursula Kerber schreibt zu dem ausgezeichneten Text:

Marlies Böhm wohnt in Dillingen/Saar und ist Lehrerin an einer Grundschule im Ortsteil Pachten. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Hochdeutsch (u.a. langjährige Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Kirchenmusiker Josef Monter) schreibt Marlies Böhm schon seit ca. 35 Jahren ebenso erfolgreich Lyrik und Prosa in der Mundart ihres Heimatortes: moselfränkisch – Dillinger Platt. Sie verfasst außerdem Spielszenen, Sketche und Liedtexte in ihrer aktiven Theaterarbeit und ist mehrfache Preisträgerin (z.B. Goldener Schnawwel). Die Mundart der Marlies Böhm ist tagesaktuell und kommt ohne nostalgische Schönfärberei aus. Ihre Texte, die sehr oft kritische Komponenten enthalten, regen zum Nachdenken und Diskutieren an.

Der Monatstext September 2010 fridden ist dafür ein ein­drucks­vol­ler Beweis. In kurzen Zeilen – oft nur mit einem Wort – thematisiert die Autorin den weltweit allgemeinen Wunsch nach Frieden und das Scheitern daran. Nur vier Worte »nur – wenn – awwer – nett« genügen, um daraus aus einem ersten zögerlichen Einwand ganz schnell stakkatoartig alle unüberwindbaren Widersprüche zu formu­lieren. Dieser Gedichtteil ist wie ein Strudel, ein Sog, aus dem man nur mühsam entkommen kann. Erst nach der Konfrontation versichert man sich gegenseitig den Willen zum Frieden, doch: »so – ganz – ohne – wenn – òn – awwer – geht – et – ääfach – nett!« Der Friede ist der Ernstfall, wie der früherer Bundespräsident Gustav Heinemann formulierte.