E Handvoll Lehme von Helga Schneider

Im April erhält das Gedicht E Handvoll Lehme der in Kaiserslautern lebenden Schriftstellerin Helga Schneider die Auszeichnung Mundarttext des Monats, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ bei seiner Frühjahrstagung Mitte März verständigt.

Das Gedicht wurde ausgewählt, so die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, eine Sprecherin der Gruppe, weil es mundartsprachlich gekonnt und inhaltlich reich an innerer wie äußerer Erfahrung ist.

E Handvoll Lehme

E Handvoll Lehme
aus de Lehmekaut.
Wacke warns,
wo Hitz un Kelt
un Wind un Wasser
un winzischklääne Werzelcher
wer wääß wie lang
wer wääß wie oft
feinfitzelisch vemahl hann.

E Handvoll Lehme,
wääch wie Grumbeerbrei
in deine große Hänn,
hoscht Mensche draus gemacht –
un hie un do
wer wääß warum
e Wackebrocke
ninngeknet fers Herz.

Zu dem ausgezeichneten Text schreibt die Homburger Autorin Relinde Niederländer:

In ihrem Gedicht »E Handvoll Lehme« beschreibt Helga Schneider in lyrischer Bildhaftigkeit, dass Neugestaltung aus Vergänglichkeit, ja auch aus Zerstörung hervorgehen kann. In einfühlsamer Betrachtung thematisiert sie Steine (Wacke), die aufgrund langzeitiger klimatischer Verhältnisse dem unaufhörlichen Zerfallsprozess ausgesetzt sind. Die daraus entstandene Materie Lehme, wääch wie Grumbeerbrei lässt sie auf gedankliche Art zur Substanz unseres Seins werden. Lehm erscheint als etwas Filigranes, die Natur bleibt indessen schöpferisch ungerührt von Feinheit und Sensibilität. Das Gedicht löst beim Leser mit voller Absicht einen Prozess des Fragens und Weiterdenkens aus, umso mehr, als Helga Schneider in ihrer unnachahmlich einfühlsamen und eindringlichen Sprache beobachtet und nicht kommentiert.