Summerdónner von Manfred Moßmann

Mit der Auszeichnung Mundarttext des Monats wird im August 2011 das Gedicht Summerdónner des unter anderem auch in moselfränkisch dichtenden Autors Manfred Moßmann ausgezeichnet. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Dieser Text wurde ausgewählt, weil hier Sprache und Bilder so ineinander verschmelzen, dass Unaussprechliches miterlebbar wird.

Summerdónner

Eech steh’n
énner’m Ääpelbaam
ó’ eech kööken dómm

De Wolken um Himmel
die geh’n all stéften
Et grómmelt äm Booch:

En ääläätzig Huärnääßel

kluntscht

óm Dròòt vum Goärdenzöön

ón e’ Stéckchi’ vun demm
kaatze’gròòen Himmel

brómmt o’ brennt
ä’ meiner
Stróss

Über den ausgezeichneten Text schreibt die Waderner Schriftstellerin Karin Klee:

»Was will uns der Dichter damit sagen?«, lautet eine oft gestellte Frage, wenn es um einen Text geht, der sein Geheimnis nicht so schnell preisgibt. Ich finde, die Frage muss lauten: »Was will uns der Text sagen?«. Im Fall von Manfred Moßmanns Gedicht »Summerdónner« war mir schon nach dem ersten Lesen klar, dass es sich hier um weit mehr als die gekonnte sprachliche Darstellung eines Naturereignisses handelt. Da schleichen sich verschiedene Empfindungen an, von der Vorfreude über einen herbeigesehnten nahenden Umbruch bis hin zur Unsicherheit angesichts der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm. Wäre es nur das Wetter, wir könnten als unberührte Zuschauer der Veranstaltung beiwohnen und anschließend zur Tagesordnung übergehen. Aber gerade das bleibt verwehrt; am Ende brummt und brennt da doch etwas in der Kehle. So ist es das Geheimnis eines guten Gedichtes, dass es uns für mehr als nur einen Moment beschäftigt.