De Hornäckersch von Friedrich Ebert

Als Mundarttext des ersten Monats im Jahr 2011 wird das Gedicht De Hornäckersch des saarländischen Mundartautors Friedrich Ebert prämiert. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie eine Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man dieses Gedicht ausgewählt, um auf die lyrische Ausdruckskraft der Mundartsprache angesichts eines zeitlosen, alle Men­schen betreffenden Themas aufmerksam zu machen.

De Hornäckersch

Wat ist dat fò en Wärrer haut?
Wat kleppern de Läären so aarich laut?
De Hornäckersch zieht nòmmò ihr Spuur.
Wuuw, wuuw blòòst se grusselich òn ääner Tuur!

Se fliet durch de Forscht, unn uff ihrem Paad,
dòò lààft alles furt. Nischt bleiwt meh grad.
Vill Bääm fellen rim, de Bisch hallen sich nuur.
Wuuw, wuuw blòòst se grusselich òn ääner Tuur!

De Koowen flarrern uss em Geäscht.
Kraah, kraah schrei’n se, nischt is meh fescht.
De Enten gänn uffgejäät wie òòner Schnuur.
Wuuw, wuuw blòòst se grusselich òn ääner Tuur!

Unn hänner’t Huss draut mà gar nit se gehen.
Dòò iwwerheert mà se nit, ihr schròò kelzich Teen.
Iwwer’t Dach kimmt se unn durch de Diirritzen äm Fluur.
Wuuw, wuuw blòòst se grusselich òn ääner Tuur!

De Schneeflocken, wo fellen, dreiwt so vòòr sich häär,
de Leiden änn’t Gesicht, et gift vill Beschwäär.
De Känner hònn Òngscht, äm Huss fin’t mà se nuur.
Wuuw, wuuw blòòst se grusselich òn ääner Tuur!

Se blòòst de gònz Naat unn de näkschden Daach.
Märrem Rään schbillt se unn märrem Dunnerschlach.
Dònn gift se Ruh, abgelààf is ihr Uhr.
Wuuw.., wuuw.. blòòst se jetz dussma unn schlòòft nòmmò fò’n Tuur.

Über den ausgezeichneten Text schreibt Karin Klee:

Friedrich Ebert wohnt schon seit Jahrzehnten in Wadern und ist dort eine der treibenden Kräfte in Sachen Kultur und Heimatkunde. Wenn er Gedichte in Mundart verfasst, schreibt er allerdings in seiner Püttlinger Muttersprache und verlässt Wadern für kurze Momente, zumindest sprachlich. Was er im Text »De Hornäckersch« beschreibt, ist ein Naturschauspiel, das überall auf der Erde erleb- und erfahrbar werden kann. In eindrucksvollen Bildern, in lautmalerischen Worten lässt Ebert ein Wesen auftreten, das er »De Hornäckersch« nennt. Wie in den Sagen und Märchen wird hier etwas benannt, was keinen Namen hat, was nicht zu fassen ist, was dennoch da ist, sein Unwesen treibt und Spuren der Verwüstung hinterlässt. Wer mir das nicht glaubt, der begebe sich bei egal welcher Art von Unwetter nach draußen. Dort kann man Friedrich Eberts »De Hornäckersch« leibhaftig erleben.