School-Biller von Ursula Kerber

Als Mundarttext des Monats Juli wird das Gedicht School-Biller der in Überherrn lebenden Autorin Ursula Kerber ausgezeichnet. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie eine Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man dieses Gedicht ausgewählt, weil hier in fünf knappen Strophen die gleiche Anzahl nachdenkenswerter Blicke auf das im Grunde unlyrisches Thema »Bildung« geworfen wird.

School-Biller

fó’t Lewen lehren
en Häckchen móss séch krémmen
der Stock séngt

én der School dòmòòls
Johren vóller Spéchden
Klassentreffenlien

der Hausmääschder bréllt
iwwer’t Pausengekrääschs
de Kénner steeren

noch e Schoolreform
jederääner fénd sei Weech
lou wéi de gesischt

ém Turnsaal e Kneip
de Klassen sénn Geschäfder
déi School lohnt séch

Über den ausgezeichneten Text schreibt Karin Klee:

Die Poesie ist die Sprache der Bilder, und hier kennt sich eine Ursula Kerber gut aus. Kein Wunder also, dass sie uns gleich fünf mal in einem Haiku – ein Haiku ist eine japanische Gedichtform, bestehend aus in der Regel drei Zeilen, die jeweils 5-7-5 Silben enthalten – genau das zeigt, was sie sieht, wenn das Stichwort »Schule« fällt. Sie beginnt mit den allerersten Erfahrungen aus einer Zeit, als auf dem Lehrerpult wie selbstverständlich immer auch ein Stock gelegen hat. Was es damals ebenfalls schon gab: Mobbing, woran sich Jahre später beim Klassentreffen keiner mehr erinnern mag. Wieder wechselt Ursula Kerber die Perspektive: Im dritten Haiku sehen wir von außen in die Schule herein, erfahren, dass Schule ein schöner Ort sein könnte, wären da nicht immer diese lauten und ungezogenen Kinder. Von dort ist der Weg nicht weit zur gut gemeinten Schulreformation, die diesen Ort zu einer Brutstätte für Einzelkämpfer macht. Und ganz zum Schluss, wenn immer noch weniger Kinder da sind, sagt uns Ursula Kerber, wie sich eine alte Schule dennoch rechnet: Ohne jeden Bildungsauftrag, dafür ganz einfach ausgestattet mit einer neuen Bestimmung. So vielfältig und verknappt gut kann nur Poesie sein.