20. Miärz 2003 von Manfred Moßmann

Als Mundarttext des Monats März wird das Gedicht 20. Miärz 2003 des aus dem Hunsrücker Hochwald stammenden Mundartautors Manfred Moßmann ausgezeichnet. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie eine Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man dieses Gedicht ausgewählt, weil nicht nur seine sprachlichen Qualitäten beeindrucken, sondern hier zweifellos vor acht Jahren Schlüsse gezogen worden sind, die auch heute noch gelten.

20. Miärz 2003

Eech steh’n
énner’m Ääpelbaam
ó’ eech kööken dómm

De Wolken um Himmel
die geh’n all stéften
Et grómmelt äm Booch:

En ääläätzig Huärnääßel

kluntscht

óm Dròòt vum Goärdenzöön

ón e’ Stéckchi’ vun demm
kaatze’gròòen Himmel

brómmt o’ brennt
ä’ meiner
Stróss

Über den ausgewählten Text schreibt der saarländische Autor Gérard Carau:

Wir hatten es fast schon vergessen: Im März 2003 begann George W. Bush damit, den Irakern mit Flugzeugen und ferngesteuerten Raketen die Demokratie einzubläuen. Wir saßen, übernächtigt, an den Bildschirmen und sahen immer wieder den gleichen angeblichen Präzisionsschlägen zu. Es hieß, die modernen Raketen könnten einer Fiege ein Auge ausschießen. Beeindruckend.

Manfred Moßmann war damals hellwach. Er hat, für uns alle ernüchternd, die Tod bringenden Flieger dort und die lästigen frühen Frühjahrsfliegen hier in einen poetisch-sinnhaften Zusammenhang gebracht. Die Jagd mit der »Méckeplätsch« gegen die Plagegeister in der Küche wird assoziiert mit der Jagd der High-Tech-Militärjets gegen den bösen Feind. Aber woärt nemmen: Wer wird letztlich erwischt? Tunesien, Ägypten, Libyen und die anderen im Frühjahr 2011: Wir sollten Hoffnung haben. Vielleicht kommt die Demokratiebewegung doch noch ohne die »Méckeplätsch« aus.

Moßmanns Gedicht von 2003: So aktuell kann Mundartpoesie sein!