Endlich Fréijoar (2011) von Gérard Carau

Als Mundarttext des Monats Mai 2011 ist das Gedicht Endlich Fréijoar (2011) des in Beckingen lebenden Autors Gérard Carau ausgewählt worden, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ auf seiner letzten Tagung verständigt.

Wie eine Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man sich für dieses Gedicht entschieden, weil es auf poetisch ansprechende Weise Bezug zu den aktuellen Ereignisse in Nordafrika nimmt.

Endlich Fréijoar (2011)

Och diss Joar
kómmen se zeréck
aus Ägypten
de Störch

Awwer eppes éss annerschder

Se hann Gréines ém Schnawwel
Lotosbléiten ónn Schélf
vom Nil
frésch gebléckt

Onn an de Féißen
e Roll aus Papyrus
e Botschaft
von lò énnen

Kääme Hieroglyphen:
Klartext

liberté égalité fraternité

Se kleppern et von allen Dächern

Heeren der’t nét?

Über den ausgezeichneten Text schreibt die in Wadern lebende Autorin Karin Klee:

Wann, wenn nicht jetzt, ist Zeit, einen aktuellen lyrischen Text zu loben, der sich in einprägsamen Bildern und unverwechselbaren Sprache mit den Geschehnissen in der Welt auseinandersetzt? Es sind Berichterstatter der anderen Art, die Gérard Carau aus einem den Europäern in Kultur, Politik und Lebenssituation ebenso fernen wie frem­den Land einfliegen lässt: Störche. Sie kommen zu uns, um im Herbst wie­der in ihre andere Heimat zurückzukehren. Was sie uns in diesem Frühjahr an Botschaften überbringen, Gérard Carau hat es in sein Moselfränkisch und in seine Gedanken übertragen.

Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer…
(Theodor Storm, Herbst)