Gischda noch von Gisela Bell

Das Prädikat Mundarttext des Monats erhält im November 2011 das Gedicht Gischda noch der saarländischen Autorin Gisela Bell. Darauf hat sich anlässlich der Herbsttagung das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Das Gedicht wurde ausgewählt als gelungenes Beispiel dafür, dass Mundartdichtung sehr ernste Themen sprachlich und inhaltlich angemessen zur Geltung bringen kann.

Gischda noch

zesamme gespield, gelachd,
fa die Zukunfd Plän gemachd,
eifrisch gelehrd fa’s Läwe.
Heid heil isch um Disch.

Un mei Teddy falld ins dungle Loch.
Un isch, isch falle, falle mid.

Gottes Güte, Gottes Liebe
klinge heid un hie wie pura Hohn.
Gäbbd’s ne iwwahaubd?
Wer wääs das schonn.

Un mei Teddy falld ins dungle Loch.
Un isch, isch falle, falle mid.

Gischda noch

zesamme simmelierd,
wohinn uns Gottes Wille fiehrd.
Disch gans schnell ins Grab.
Misch weid weg vun sisch.

Un mei Teddy falld ins dungle Loch.
Un isch, isch falle, falle mid.

Peter Eckert, Sprecher der ‘bosener gruppe’, zu dem prämierten Text:

»Gischda noch« lässt die Verzweiflung der Überlebenden ahnen, wenn ein Leben endet, ehe es nach unseren Erwartungen und Maßstäben richtig begonnen hat. Der Tod der gleichaltrigen Freundin, gesehen mit den Augen eines Kindes: Pläne, die Pläne bleiben, Hoffnung, die in Schmerz versinkt. Was selbst Erwachsene nicht verstehen können, muss die Möglichkeiten eines Kindes völlig übersteigen, wenn es sich unvorbereitet auch mit dem Gedanken an die eigene Endlichkeit konfrontiert sieht. Verständlich, dass es diese Situation so empfindet, als falle es auch selbst ins Grab. Die uralte Frage, warum ein gütiger Gott die­ses Leid zulassen kann, kommt fast zwangsläufig auf und muss unbeantwortet bleiben.