Musel-Loreley von Walter »Woltähr« Liederschmitt

Als Mundarttext des Monats im Oktober 2011 wurde das Gedicht Musel-Loreley des in Trier beheimateten Dichters und Musikers Walter »Woltähr« Liederschmitt ausgewählt. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ bei seiner Herbsttagung in Tholey-Theley verständigt.

Die Gruppe entschied sich für diesen Text, weil hier eine Neuschöpfung einer klassisch sagenhaften Gestalt deutscher Geschichte gelungen ist.

Musel-Loreley

Het es e ganz stéll Waasser, dat déjf gréndt, wie mer seht
dat sich en di Schuwwerféls buert, ääm de Koop verdreht
Weil aon der Musel-Loreley kénnt kääne vubäj, nur
dän, dä geäjcht es fir di Wéngertsberschkleddertour
Boddem haake’ Rous de Waake’
Rewe’ planzen on de ganzen
Dag em Dousch Wie em Rousch
kammer’t ous-
stohn
Plou foahrn Zäit spoarn
Pehl ao’schlohn schneide gohn
Wend o’ Wedder widderstohn
Rewe räerfe
gohn

/: Wend o’ Wedder widderstohn
Nie genog gedohn :/ Nie genog gedohn!
‘Et es dat Meedschi voan dr Lure’ley, dat nie schreift
dat met so Berschgeisdern on Zwerjen hihr Wesen treift
Se kämmt äwer kään lang Hoar’, feilt och hihr Féngernehl net
Se wähß nur zousepaaken, wenn et wat se dou’ get
Gäize’ plécke’ Bielik bécken
Net gespónn! Opgebónn!!
Kraude’, sprétze’, sich geploht
on sich net be-
kloht
Geld spoarn Mést foahrn
Pehl ao’schlohn bénne’ gohn
Wend o’ Wedder widderstohn
Nammo sprétze
gohn

/: Wend o’ Wedder widderstohn
Nie genog gedohn :/ Nie genog gedohn!
Wenn ‘et d’r äwer e Kuss, wie nur het ä gä kann, get
annischder wie dä vo Kate o’ William (Dat woar et echt net)
Dann danzt dat Nixi met ‘m Nix, naots, opgedreht
Da’ kann et säjn, dat die Musel och der “Liebe” hennerher jeht
Wend o’ Wedder widderstohn Nie genog ge/dohn
Voll em Dousch Wie em Rousch kammer’t ous/stohn
Trauwe’bittcher, Hoten trohn > endlich lese’ gohn
> endlich lese’ gohn > endlich Trauwe lese’ gohn

Über den Text schreibt die in Wadern lebende Schriftstellerin Karin Klee:

Pünktlich zur Weinlese des Jahres 2011 meldet sich der Trierer Liedermacher Walter »Woltähr« Liederschmitt literarisch zu Wort. Er nimmt uns mit in seine Heimat und stellt uns dabei ein Mädchen vor, dem noch lange nicht jeder gewachsen ist: Es ist die Mosel-Loreley. Sie ist keine zarte, ferne Schönheit und hat mit ihrer Namensverwandten vom Rhein nur gemein, dass auch sie eine auffallende Erscheinung ist. Die Frau von der Mosel packt an, packt zu und weiß, dass aller Wein­se­lig­keit immer auch Knochenarbeit in den steilhangigen Wingerten vorangeht. Um eine derart beeindruckende Frau zu besingen, braucht es einen beeindruckenden Text, in dem sich an klassische Reimzeilen ein Rap-Refrain anschließt und Wortneuschöpfungen und Wiederholungen die Plackerei im Weinberg zum Nachfühlen näher bringen.