Hua Hong – Em Name von dä Ros von Karin Klee

Mundarttext des Monats September 2011 ist das Gedicht Hua Hong – Em Name von dä Ros der Waderner Schrifststellerin Karin Klee, die unter anderem auch in moselfränkischem »Primstaler Platt« schreibt. ausgezeichnet. Darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie ein Sprecher der Gruppe, der in Norddeutschland lebende Autor Manfred Moßmann, mitteilte, habe man sich für dieses Gedicht entschieden, weil hier in kurzen, inhaltlich wie sprachlich eindringlichen Sequenzen die Geschichte eines ganzen Lebens erzählt wird, ohne dass dabei eine vorgefertigte Beurteilung dieses Lebens dazugeliefert wird.

Hua Hong – Em Name von dä Ros

Sah, wat schafft der klääne Chinamann
en dä Ennerstrooß vo Waarere
de ganze Daach?
Setzd on steht en seim
China-Thai-Imbiss-Bistro »Hoa Hong – die Rose – werktäglich geöffnet – kein Ruhetag«
reijscht no Fett en Himmed on Hoär
rijert Peking-Sopp
foär die en de Büros
bruzzelt Frühlingsrolle
foär die aus de Schoole
packt Kanton-Menus en Plastik
zum Metholle foär egal wohi
sitt met bessi treijwe Aue
sei Mama on die Reisstegger en Chiang Mai
sei Ongkel on de fresche Fesch en Rayong
sei Tant on de greijne Tuwak en Hong Khai
sei Kusing on die Turisde-Bunkere en Hua Hin
dengkt siißsauer aant Lager en Lebac
aan sei ijärscht Chop-Suey-Bud en Schmelz
aan sei Schweschder en Saarlouis
wo’ä jeere Sonndaachmeddaach hi fährt
met seim Schäferhond “May Ling”
der emmer droff waart
datt endlisch Feieroowend es.
Awwer
wat schafft der klääne Chinamann
wei hei
en Waarere
de ganze Daach?
Ä hijärt zou
on lacht.

Über den ausgezeichneten Text schreibt Manfred Moßmann:

In einigen günstigen Fällen erzählen Gedichte eine Geschichte, und oft ist es eine Geschichte, die so interessant ist, dass man daraus eine Erzählung machen könnte. Ein solches Kunststück ist der Waderner Autorin Karin Klee mit dem ausgezeichneten Gedicht gelungen. Die (Lebens-) Geschichte vom klä Chinamann wird ebenso anschaulich wie sprachlich überzeugend erzählt. Wir hören von seiner »süßsauren« Zeit im Lebacher Lager, der ersten »Chop-Suey-Bud«, die er in Schmelz betrieb, wir staunen über die Fülle an Gerichten (»auch zum Metholle«), bei denen für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Auch mit Privatem kann die Erzählerin aufwarten: Sonntags besucht der »Chinese« (er stammt, so verraten es die Ortsnamen im Gedicht, in Wirklichkeit aus Thailand) seine Schwester in Saarlouis, sein Schäferhund (Gerhard Polt lässt grüßen!) heißt »May Ling«, und manchmal ist er von Heimweh geplagt und denkt an seine Mutter auf den Reisfeldern von Chiang Mai, grünen Tabak und frischen Fisch.

Schon die ersten drei Zeilen des Textes sind äußerst interessant: Die Leserin/der Leser wird direkt (»Sah« – Nun, sag mal!) angesprochen, so als kenne er den kleinen Mann aus der Ennerstrooß bereits seit längerer Zeit. Die sich anschließende Frage lautet: »Wat schafft der … de ganze Daach?« Damit ist nicht nur die Arbeit gemeint (u.a.: Er rührt die Suppe), damit ist, ganz im Sinne Bob Dylans, der fragte: »How does it feeeel?« –, gemeint: Wie steht es um den Mann? Wie geht es ihm in seinem Innersten?

Die Erzählerin tischt auf, was sie alles so weiß und hier und da gehört hat. Die Leserin/der Leser ist aufgefordert sich eine eigene Meinung zu bilden.

Die Antwort auf die entscheidende Frage: »Ei, wat schafft dann der?« (Und: Schafft er es hier bei uns Deutschland?), kommt ganz am Schluss des Gedichtes: Der »klä Chinamann« hört zu, und Buddha lacht: In »Waarere«.