Aprillegrille von Lucien Schmitthäusler

Als Mundarttext des Monats April hat das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ das Gedicht Aprillegrille des Autors Lucien Schmitthäusler ausgewählt.

Der Text trägt die unverwechselbare Handschrift des aus Saargemünd stammenden Poeten, so Karin Klee, Schriftstellerin und Sprecherin der ‘bosener gruppe’. Hier wird abgerechnet mit den Wetterwechseilen dieses launischen Frühlingsmonats, aber auch mit den Menschen, denen es nicht gelingt, dieses Wetter so zu nehmen, wie es kommt.

Aprillegrille

Zwei Wàllfahrter duhn sich debi begejne.
Ener bet fa viel Sunn, der annere fa Reene.
Diss fuchst unser Herrgott am Kritz.
Er schickt ‘ne e Schneesturm met Blitz
unn jammert: »Oh ihr blëde Lit,
hole, was eych de Himmel biet!«
Do sààn die zwei: »Gescheh dein Wille«,
unn denke: »Schiss Aprillegrille!«

Über das Gedicht schreibt der saarländische Schriftsteller Harald Ley:

Es ist omnipräsent seit uralten Zeiten, es hat heute seinen festen Platz in allen Medien, es ist unerschöpflicher Gesprächsstoff, wenn es keinen gibt und es ist nie so, wie man es gern hätte: das Wetter. Mit seinen Hochs und Tiefs lässt es unsere Stimmung steigen und fallen, naturgegeben für die Einen, gottgewollt für die Anderen. Wir sind ihm ausgeliefert, müssen es nehmen, wie es kommt und können es nicht ändern, wie es ist.

Einen ganz besonderen, eher zweifelhaften Ruf – zumindest was das Wetter betrifft – genießt indes der Monat April, »der macht, was er will« und zeigt uns das Wetter zuweilen mit all seinen Facetten.

Lucien Schmitthäusler, den rheinfränkischen Poeten, muss ich nicht mehr eigens vorstellen. Feinsinnig, hintergründig, humorvoll, manchmal mit deftigem Zungenschlag erzählt er uns seine Sicht der Welt und der darauf lebenden Wesen.

Und über zwei dieser Wesen lässt der Dichter in diesem kleinen Text solch ein Aprilwetter hereinbrechen. Die beiden sind Wallfahrer, fromme Gesellen, für die das Wetter zweifelsohne gottgewollt ist und durchaus mit einem inbrünstigen Gebet zu bestimmen sein müsste. Aber wie so oft und eigentlich immer ist man sich nicht einig darüber, welches Wetter man will. Genervt ob solch banaler Bitten, greift der Herrgott in seine Wetterkiste und schickt den Beiden »graadselääds« das, worum sie nicht gebeten hatten. Die halten es wie wir alle es halten: sie fügen sich den Launen des April und fluchen über das »Sch…wetter…«