Schmedderling von Gisela Gall

Als Mundarttext des Monats August hat das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ das Gedicht En Schmedderling der pfälzischen Schriftstellerin Gisela Gall ausgewählt.

Für diesen Text haben wir uns entschieden, so Karin Klee, Schriftstellerin und Sprecherin der ‘bosener gruppe’, weil er spielerisch leicht und mundartsprachlich gekonnt eine wichtige Lebensweisheit vermittelt: Am besten kommt man zurecht, nimmt man sich selber nicht so wichtig!

Schmedderling

Fer e paar Stunn
hell in de Sunn,
aus duschtrer Nacht
korz uffgewacht,
Schmedderling,
Wunnerding,
fladdert
verdaddert,
daumelt
un baumelt,
dänzelt
un schwänzelt,
schaukelt
un gaukelt,
seelisch vor Glick,
hie un zerick,
juggelt
un suggelt,
wippt
un nippt,
nascht
un hascht,
dorkelt zu zwätt
im Liewesballett,
schwebt, fallt und steischt,
locker un leicht,
nemmt sich net wichdisch, –
sch glaab, der macht es richdisch.

Über den ausgewählten Text schreibt der saarländische Autor Peter Eckert, Sprecher der ‘bosener gruppe’:

Am meisten erstaunt es Gisela Gall immer wieder, dass ausgerechnet sie dabei ist; dass sie überhaupt da ist und teilnehmen darf an diesem liewe, launische, korze Läwwe, zwiespältig, voller Liebreiz, Schrecken, Freude und Not. Obwohl (oder gerade weil) sie die Schattenseiten des Daseins nicht ausklammert, sondern sehr pointiert darzustellen und zu kommentieren weiß, hat sie auch einen besonders aufmerksamen und liebevollen Sinn dafür, die spärlich verteilten Glücksmomente doppelt zu genießen.

Anmutiges Sinnbild für dieses Glück ist der Schmetterling. An einem sonnigen Tag beeindruckte es sie, einem Zitronenfalter bei seinem leichten, jauchzenden Tanz durch die Lüfte zuzuschauen, wie er einfach da war, lebte, schwebte, unbekümmert das Geschenk des Daseins genoss, für ein paar Stunden, ein paar Tage, aus dem Nichts ins Licht getaucht, sein kurzes Leben nicht als Weg zum Tod, sondern als das Wunder, für kurze Zeit aufzusteigen aus der Ewigkeit des Todes »fer e paar Stunn hell in de Sunn«. Wir Menschen tun uns damit schwerer als dieser Schmetterling; trotzdem: »Isch glaab, der macht’s richdisch.«