heeren saan gesinn von Gérard Carau

Als Mundarttext des Monats September hat das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ das Gedicht heeren saan gesinn des saarländischen Schriftstellers Gérard Carau ausgesucht.

Für diesen Text haben wir uns entschieden, so Karin Klee, Schriftstellerin und Sprecherin der ‘bosener gruppe’, weil der Autor darin in drei knappen Sequenzen einen mundartsprachlich überzeugenden Blick auf menschliches Verhalten wirft.

heeren saan gesinn

De Alten zou de Kénnern:

Wenn der wái net heere wéllen,
missen der späder loun,
wie der gesinn!

Em Wahlkampf vor’m Fernseher:

Ich ha genau gesinn,
wie er naischt gesaat hat!
De kannschden némmeh zouheeren!

Ää Fraa zur anner:

Sisch de! Mannsleit!
De kannscht saan, wat de wéllscht!
Se heeren ääfach nét zou!

Über den ausgewählten Text schreibt Karin Klee:

Schon im antiken Griechenland äußerten die Alten vielfach eine eher schlechte Meinung über das Verhalten der ihnen nachrückenden Jungen. Und eigentlich müssten wir uns 2000 Jahr später dank der Kraft eines immer schneller anwachsenden Wissensstandes der Unzulänglichkeit einer solchen Verallgemeinerung bewusst sein. Aber nein, sie besteht noch immer, die Kluft zwischen den Generationen.

Ebenso verhält es sich mit den Ansichten über Politik und Politiker. Und trotz Emanzipation und Gleichstellung sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern etwas, was Menschen nach wie vor umtreibt und beschäftigt. Der in Creutzwald geborene und in Beckingen lebende Autor Gérard Carau hat in seinem Gedicht heeren saan gesinn alle diese menschlichen Unveränderbarkeiten in seiner moselfränkischen Muttersprache festgehalten. Das Besondere daran: Er verpackt seine Beobachtungen und Ein- und Ansichten mit Hilfe dreier Sinneswahrnehmungen (heeren saan gesinn) so, dass sie unmissverständlich deutlich, aber erkennbar erträglicher werden. Auf diese Weise lassen sich auch die nächsten 2000 Jahr gut und unverändert überstehen.