Als weider von Relinde Niederländer

Das Gedicht Als weider der in Homburg-Beeden lebenden Autorin Relinde Niederländer ist Mundarttext im September 2014. Darauf hat sich das Kolloqium der ‘bosener gruppe’ geeinigt.

Der Text wurde ausgewählt, weil er sich in ganz besonderem Maße durch Klarheit auszeichnet: Dazu zählen eine schnörkellose Sprache, eine eindeutige Aussage und eine unaufdringliche, aber folgerichtige Art des Denkens.

Als weider

Wo anne bloß?
Wenn de jung bischt,
hann se gesaat,
schdehn da alle Wääge offe!
Du muscht Dei Wääg gehn!
S´gäbbt immer e Wääg, hann se gesaat,
wo e Wille, do iss e Wääg!

Unn dann bin ich geloff.
Am bäschde gradaus, hann ich gedenggt.
Eewe war´er nett, mei Wääg,
das hann ich ganz schnell gemergt.
Digge Schdollwerschdeen hann drinngelää.
Ich bin iwwer Mordsbrogge gekrawwelt
unn in Schlammlescher ausgerutscht,
ich hann mich in Nessele gesetzt
unn ma batschnasse Fieß gehool.

Manchmool hann ich mich hingehuggt
unn gesaat: Ich maan nimmi.
Dann hann ich mich doch widder uffgerabbelt:
Als weider!

Doch ich hann uff demm Weg aa Mensche getroff,
mett denne ich lache konnt.
Dann hatt die Sunn bloodere geschien,
weeches Gras iss gewachs, herrliche Blume hann geduft
unn meer hann Borzelbeem geschlaa!
Ich dengge mool, es hatt kenn annerer Wääg fa mich gäbb.

Ich gehn immer noch gradaus…
Als weider!

Über den Text schreibt Karin Klee, Autorin und Sprechin der ‘bosener gruppe’:

Auf die entscheidenden Fragen im Leben gibt es oft keine oder eben nur unzureichende Antworten. Das hat auch die Autorin Relinde Niederländer schon erfahren müssen, betrachtet man ihren 2010 im Paraple Nr. 19 erschienene Text »Als weider«. Es ist ein sehr persönliches Gedicht, und es enthält eine alte Geschichte über eine bekannte Sache: Als junger Mensch weiß man nicht »wohin«, das Leben zeigt sich als ein unbekannter Weg, den man einfach gehen muss. Im »Laufe« der Lebens-Zeit spielt sich das Leben ab. Man macht schwere und schlechte Erfahrungen, die einen zu einem »Ich maan nimmi« verleiten können. Dann können nur noch gute und glückliche Menschen und Momente dabei helfen, auf dem eigenen Weg zu bleiben. Es sind die prägnant klare und uneile Bilder und die unmissverständlich geradlinigen Schlussfolgerungen, die das Gedicht auszeichnen. Wenn Relinde Niederländer am Ende schreibt, »Ich gehn immer noch gradaus…/Als weider!, dann dürfen wir ihr das getröstet glauben.