Dass ich dich net vergess von Matthias Zech

Das Gedicht Dass ich dich net vergess des aus Neustadt/Weinstraße stammenden und in Speyer lebenden Autors Matthias Zech ist Mundarttext des Monats Mai im Jahr 2015. Darauf hat sich das Kolloqium der ‘bosener gruppe’ auf seiner letzten Tagung verständigt.

Dieser Text wurde ausgewählt, so Karin Klee, Autorin und eine Sprecherin der ‘bosener gruppe’, weil hier eine eigentlich schmerzhafte Erinnerung durch die Wahl der Bilder und Worte eine neue, über jedes Weh hinausgehende Erkenntnis eröffnet, nämlich die, dass es eben keinesfalls der Schmerz ist, der bleibende Werte zurücklässt.

Dass ich dich net vergess

den feine fedde dubbe
vun deinre naseschbitz
do an de fenschderscheib
vum waade letschdie nacht
den schneid ich aus’m glas
mim klänne nachelscherle
un hewen uff ganz unne
dief immeim schneggehaus
dass ich dich net vergess
dass ich dich net vergess

die winzisch schdaawisch’ schpur
vum nachel vun deim zeh
do uffem eigangsbodde
vum hubbs’r an d’hals d’letschd nacht
die klobb ich aus de bläddle
mim brääde korze määßel
un lech se ganz ganz sacht
unner mei kobbekisse
dass ich dich net vergess
dass ich dich net vergess

den runde rote weirand
mit farb grad wie dein mund
do uffem kichedisch
vum schlawwre letschdie nacht
den sääch ich aus de dischplatt
mim große zackemesser
un häng mern um de hals
druff uff mei runzelhaut
dass ich dich net vergess
dass ich dich net vergess

den glänzisch’ dräänedrobbser
versteckelt aus deim aach
do uffem trepp’geländer
vum fortgeh letschdie nacht
den flex ich aus dem laafgriff
un stellen inne vas
wie blumme
uff mein schreibdisch
dass ich dich net vergess
dass ich dich net vergess

Zu dem ausgesuchten Text schreibt der Autor und Sprecher der ‘bosener gruppe’ Peter Eckert:

Wenn Woody Allen fragt, ob eine Erinnerung etwas ist, das man hat, oder etwas, das man verloren hat, ließe sich einleuchtend antworten, verloren sei allenfalls das, woran man sich erinnere, die Erinnerung selbst aber behalte man. Vor allem dann, wenn man, wie Paul Hörbiger rät, für angenehme Erinnerungen im Voraus gesorgt hat.

Beide Arten des Umgangs mit Erinnerungen finden sich im Gedicht von Matthias Zech. Wir müssten Mutmaßungen anstellen, was Grund oder Anlass der vorangegangenen Trennung ist und ob sie vorübergehend oder dauernd sein wird. Umso deutlicher gewahren wir Trennungsschmerz in und zwischen allen Zeilen. Dazu die Verzweiflung, die in letzter Minute verbliebene Spuren als ganz besondere Erinnerungsstücke bewahren will. Nehmen fremde Augen sie überhaupt wahr, dürften sie darin kaum wertvolle Andenken erkennen. Eher könnten sie als störend empfunden werden: die Spur der Nasenspitze auf der Fensterscheibe, der Strich, den der Zehennagel auf den Bodenplatten gezogen hat, der Rotweinfleck auf dem Tisch und die Träne auf dem Treppengeländer. Es ist auch kaum anzunehmen, dass sie mit Werkzeugen wie Nagelschere und Sägemesser wirklich zu sichern sind. Was bleibt, sind auch hier nur die Bilder, die das Herz sich bewahrt. Etwas, was man hat, oder etwas, was man verloren hat? Wie auch immer: Ein wertvolles Gut, selbst wenn es so unendlich weh tut.

Matthias Zech stammt aus Neustadt/Weinstraße und lebt in Speyer. Er ist als Diözesanreferent im Bischöflichen Ordinariat in Speyer tätig. Seit er 2008 beim Mundartdichterwettstreit in Bockenheim den »Preis fer Neie« erhielt, erscheint sein Name regelmäßig bei den Preisträgern von Mundartwettbewerben der pfälzisch-rheinhessischen Region.