Wenn mer ebbes nemmi hat ... von Raimund Kläser

Als Mundarttext des Monats Novermber 2015 wird das Gedicht Wenn mer ebbes nemmi hat … des saarländischen Autors Raimund Kläser prämiert. Darauf hat sich in ihrer Tagung das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ verständigt.

Wie die Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man diesen Text ausgewählt, um die besondere Qualität der Mundartsprache in der knapp pointierten Aussage eines literarischen Textes zu verdeutlichen. Zudem passe der Text des in Ensdorf lebenden Autors sehr gut in die Zeit der Totengedenktage, die dem Andenken an die Verstorbenen gewidmet sind.

Wenn mer ebbes nemmi hat ...

Wenn merr mo ebbes nemmi hat,
dann liert merr’ t ierschd so richdich schätz’n.
Do spiert merr ierschd, wat merr gehat –
wat helft et, noch devon se schwätz’n!

Am schlömmschde öss’t, wenn’t Mensche sön,
wo bei äem woare Daa on Naat,
ön Mensch, wo gudd zou alle woar
of äemo geft ön ‘t Graaf gelaad.

Georg Fox, Mitglied der ‚bosener gruppe’, zu dem Text von Raimund Kläser:

Der Text ist ein gutes Beispiel für die Verbindung von Mundartsprache und einer literarischer Gestaltung. Raimund Kläser spielt souverän mit den Klangfarben und emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten seiner Hochwälder Sprachklangwelt. Da hört man noch das »r« richtig rrrrollen. Seine Lebenserfahrung packt er in die Zeilen von Verlust und Besitz, er philosophiert ein bisschen über das, was man besitzt und dennoch nicht so richtig wertschätzen kann. Dies spitzt sich zu im Verlust von Menschen, die einem für lange Jahre vertraut waren. Erst der Verlust zeigt, wie sehr man jemanden eigentlich geschätzt und was jemand einem bedeutet hat.

In Kläsers Gedicht wird gezeigt: Mundart ist nicht ‘nur’ beschränkt auf Chiffren wie ‘Volkssprache’ oder ‘Verständigungsmittel unter Freunden’, sondern sie besitzt durchaus eine literarische Sprachebene. Mundart – das beweist Kläser – hat eine literarisch-künstlerische Gestaltungskraft, womit der Schriftsteller zu einem guten Botschafter für die hohe Wertigkeit einer saarländischen Regionalsprache wird.