Lädschda Summadaach von Hildegard Driesch

Das Gedicht Lädschda Summadaach der saarländischen Dichterin Hildegard Driesch ist Mundarttext des Monats im September 2015, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ auf seiner letzten Tagung verständigt.

Dieser Text wurde ausgesucht, so Karin Klee, Autorin und eine Sprechrin der ‘bosener gruppe’, weil Hildegard Driesch darin einen poetisch eindringlichen Blick auf die sich in Richtung Winter wandelnde Natur wirft.

Lädschda Summadaach

Se hat sich sesòmmegeress
äämòl noch
hat de Mojjennääwel
der wo wie en waiß Gardin
de Lembberch zougedäggd hòdd
offgeleesd
on schdrahld en Gold
vom Himmel ronna
da Wald geffd bond
ma kònn et noch gaaned
richdich glääwen

da lädschd Summadaach
de Schbennen
hònn Nädza
an de Schdròòßenlòmben gebaud
on fennen raich Ärnd
de Dahlien ble-ien
en de Geaden
gääl on faiarood
de Emachsglääsa senn voll
de Se-ischmeer es gekòchd

se schdrahld
de Sonn
komm sääd se
noch äämòl raus
en de Nadur
for Dissjohr
et lätschd Mol
met da kurz Boks
wie de Schdrahlen schmusen
dò kòmma net widdaschdehn

zwai Äbbel
en de Boksensagg geschdobbd
on dònn raus
en de Wald
end Gre-in
en de Wärm
en de Sonneschdrahlen
vom lädschden Summadaach

Zu dem ausgesuchten Text schreibt der Autor und Sprecher der ‘bosener gruppe’ Peter Eckert:

Dass das Jahr zu Ende geht, sagt uns nur der Blick auf den Kalender. Den Abschied des Sommer bemerken wir ohne fremde Hilfe: Nicht nur das Wetter schlägt um, auch unsere Stimmung nimmt – zunächst noch zaghaft – herbstliche Züge an. Selbst der Sonne bereitet es Mühe, die Illusion des verklingenden Sommers noch eine kleine Weile aufrecht zu halten. Aber hat sie dann die weiße Gardine aus Nebel mit Mühe zur Seite gezogen, dann strahlt ihr Gold auf einen Wald, der schon langsam beginnt, das herbstliche Farbenkleid anzulegen, auf fleißige Spinnen und leuchtende Herbstblumen. Ein Tag, der einlädt, ein letztes Mal für dieses Jahr in kurzen Hosen Licht und Wärme zu tanken, bevor man auf die konservierte Sonne in den vollen Marmeladengläsern zurückgreifen muss.

Schon im zarten Mädchen-Alter verfasste Hildegard Driesch erste, zunächst schriftdeutsche Texte; in diesen Tagen feiert sie ihr 50-jähriges Jubiläum. Aber auch als Mundartdichterin zählt sie zu den »dienstältesten« Aktiven unserer Region. Die erste Auszeichnung im Saarländischen Mundartwettbewerb gab es 1987, zahlreiche weitere folgten. Ihr jetzt ausgezeichnetes Gedicht ist ihrem Buch »Fäddalääses« entnommen. Ohne großes Federlesen skizziert sie ihr Stimmungsbild, in dem sich wohl viele von uns wiederfinden: Ein unaufdringlich buntes Stück Poesie aus dem Alltag.