Wenn et Ferien géfft von Marlies Böhm

Das Gedicht Wenn et Ferien géfft der saarländischen Autorin Marlies Böhm ist Mundarttext des Monats im Juli 2016, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ auf seiner letzten Tagung geeinigt.

Dieser Text wurde ausgesucht, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, da er ein unverschämt gutes Beispiel dafür ist, wie man einen wirklich differenzierter Blick auf ein in der Regel unwidersprochen nur positiv besetztes Phänomen wirft.

Wenn et Ferien géfft

Da Benzin
éss schon wóchenlang
langsam
deijerer génn.
De Plätzer
én de Flijern
all vagénn.
Et lätscht Klingeln
én da School:
Ferien!
Dapper hämm!
Dapper fort!
Die anneren
sénn allegaaren
schoón längscht
ónnerweechs.
Schlang schdehen
am Fluchplätz,
ém Bahnhoff,
óff da Autobahn.
Hammer aach
wirklich neischt
vagéss?

Wären ma
nur schon dòò!

Wären ma
nur schón nòmmòò
gutt
dahämm!

Über den ausgewählten Text schreibt der Autor und Sprecher der ‘bosener gruppe’ Peter Eckert:

Ferien, was für ein schönes Wort. Vorfreude, die sich das Jahr über steigert und dem ersehnten Ferienbeginn entgegen fiebert. Allmählich überlagert von bösen Erinnerungen und ebensolchen Vorahnungen, die zunächst nur einflüstern, dann aber beharrlich mit zunehmender Unverschämtheit dazwischen plärren, dass bei all dem Schönen aber auch allerlei weniger Schönes und sogar ausgesprochen Unschönes als Zwangszugabe beigepackt ist.

Das just zur Urlaubszeit teurer werdende Benzin, die ausgebuchten Flieger, die allgegenwärtigen Warteschlangen. Dazu auch noch die Angst, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Und das soll schön sein, Spaß machen? Wiegen all die vielleicht kommenden Urlaubsfreuden die ganz sicheren, einen Großteil des Spaßes vermiesenden, Urlaubsleiden auf? Und dabei hat man sich diese Last auch noch selbst aufgebürdet. Verständlich der Stoßseufzer: Wären wir schon dort! Nein besser noch: Wären wir nur schon wieder heil zurück!

Marlies Böhm versteht die Menschen, die sich aus der einen Tretmühle in die andere, vielleicht sogar Zwickmühle, begeben. Mitleidige Ironie könnte man den Grundton ihres Gedichts nennen. Wer sich davon auf die Füße getreten fühlt, sollte aber nicht übersehen, dass daraus viel persönliche Erfahrung spricht. Sozusagen von Leidensgenossen zu Leidensgenossen.

Das Repertoire von Marlies Böhm ist weit gespannt. Kurzprosa, Gedichte, Liedtexte, Spielszenen und Sketche, von ernst bis heiter, von rückschauend bis tagesaktuell, Erhaltenswertes bewahrend und Visionen für eine bessere Zukunft beschreibend. Sie ist eine der Dienstältesten aus der derzeit aktiven Mundartdichter­generation. Schon 1980, im zweiten Saarländischen Mundartwettbewerb, zählte sie zu den ersten Preisträgern, weitere Preise, z. B. der Goldene Schnawwel, folgten. Sie schreibt aber nicht nur in Mundart, dem Moselfränkisch ihrer Heimatstadt Dillingen. Vorzuweisen hat sie auch zahlreiche Veröffentlichungen in Hochdeutsch, beispielsweise Texte zu Kompositionen des Komponisten und Kirchenmusikers Josef Monter.