Dat Saubeest von Manfred Pohlmann

Das Lied Dat Saubeest des in Sayn lebenden Autors, Musikers und Liedermachers Manfred Pohlmann ist Mundarttext des Monats im September 2016, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ geeinigt.

Das Stück wurde ausgewählt, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, da hier das Kunststück, Sprache, Inhalt und Klang gekonnt eng aneinander zu weben, auf besondere Art und Weise gelungenen ist.

Dat Saubeest

Enn Sään enn der aale *Poststation
Bemm **Frank, ganz henne emm Hoff
Doa wo nie enn Strahl vonn der Sonn hinkoam
hann sich unser Blegge getroff

Nur e Husche, enn Schadde, mie woar doa net
Nur enn Ahnung unn schon woar se wegg
Wie ichse Woche späder et nächsde moal soah
Wat näher, doa groach ich en Schrägg

Doa woar enn Katz die beij känen gehiert
Ääner hadder, wer wäs ich net
Ob emm Hass oder vielleicht sugar als Spass
De Schwanz unn die Uure aafgeschnitt

Emmer enn Deggung viier Knebbel un Stään
Emmer off der Flucht, unn enn Nuut
Unn schon hier ich se onne widder schreije
Nau schliiet dat Saubeest duut

Ich hann se ganz leise geloggt unn geroof
Irscht woaren Woche, dann Daache doazwesche
Unn irjendwann, ja irjendwann
ess e emm mein Bään gestreche

Ganz zärtlich hann ich se geroofe, geloggt
Su ging dat e annerthalf Joahr
Millimederweis hätt se Vertraue gefonn
Unn zoa mir och nimmi verloar

Ich hann se versoarscht so good ich konnt
Unn ich woar doch dumols noch e Kend
Dat Vertraue zou mir, vonn der gequälde Katz,
woar enn Reichtum dä niemoals verrinnt

Unn se wollt stonnelang nur schmuse,
gekrault am Hals. Am Bauch. Unn se hätt
sich enn mein aale Lombe gekuschelt
als wäret ihr Himmelbett

Unn emm Katzehimmel doa wärt se jetzt wohl sein
Unn dat schon fast achtzisch Joahr
Die Geschicht hätt mir meine Vadder verzeehlt
Unn ich senn sicher, jedes Wort es woar.

In Sayn, in der Koblenz-Olper-Strasse, steht heute noch das Haus in dem mein Vater geboren wurde. Es war lange im Besitz der Familie **Frank. Meine Oma erlebte dieses Haus in ihrer Kindheit noch als *Posthalterei.

Über den ausgewählten Text schreibt die in Schifferstadt lebende Autorin Ute Zimmermann:

Wenn ein äußerst tierlieber Mensch eine Katze ‘Saubiest’ nennt, dann hat das die selbe Qualität, mit der man einen geliebten Menschen oder Lebenspartner lachend und auf das Herzlichste mit ‘Miststück’ anspricht. In diesem Fall erzählt Manfred Pohlmann von einer böse misshandelten Katze. Die Geschichte spielt vor vielen Jahrzehnten, sein Vater hat sie erlebt und sie ihm erzählt, als er noch Kind gewesen ist. Alles an dieser Poesie ist wahr. Und dass die Geschichte dieses Saubiests so lebendig bleibt, liegt vor allem an der Authentizität des Künstlers, der sie vertont hat. Manfred Pohlmann ist überzeugter Vegetarier, Pazifist und aufmerksamer Mitmensch. Er ist Netzwerker und, wie er selbst über sich sagt »Kultureinfädler«.

Vor allem aber ist Pohlmann Musiker mit zahlreichen CD -Veröffentlichungen und unzähligen Liveauftritten mit verschiedensten Programmen. Genannt seien hier bspw. die Hommage an die alten Arbeiterlieder, Chansons in der phantastischen Formation Mannijo oder eine musikalische Reise durch die Liedermacherschätze unserer Republik. »Dat Saubeest« mit seiner einfühlsamen und eingängigen Melodie hat Pohlmann auf seiner zum 40. (!!!) Bühnenjubiläum erschienenen CD gguggugg eingespielt und nachhaltig präsentiert. Es lohnt sich unbedingt diesem Künstler nachzuspüren, zumal das Moselfränkische in weiten Teilen des Saarlands zur Muttermilch gehört. Wer dennoch nicht alles zu verstehen meint, der lauscht am Ende dem tiefen zufriedenen Schnurren eines satten, geliebten Stubentigers über alle Dialektgrenzen hinweg. Besuchen Sie die ‘aale Poststation’ – das Haus in Sayn steht heute noch. Und besuchen Sie auch Manfred Pohlmann auf einem seiner Konzerte.

Wer so lange nicht warten möchte, kann »Dat Saubeest« auch bei SR3 Saarlandwelle hören. Susanne Wachs wird es u.a. am 14. September in »Die bunten Funkminuten« und am 16. September in »Bei uns dehemm« spielen. Und findet der balladeske Inhalt schon gedruckt Zustimmung, so kann man sich auf diese Weise davon überzeugen, dass das Lied ein Glücksfall für die Mundart ist, so leichtgängig vertont, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt und weil »Dat Saubeest« für mundartliche Dichtung, die sich dem Diktat von Rhythmus und Singbarkeit unterwerfen muss, auch auf Grund der Unaufgeregtheit der doch dramatischen Geschehnisse vorbildlich ist.