Gulasch von Karin Klee

Das Gedicht Gulasch der in Wadern lebenden Autorin Karin Klee ist Mundarttext des Monats im April 2017, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’ geeinigt.

Der Text wurde ausgesucht, so der saarländische Autor und Sprecher der ‘bosener gruppe’ Peter Eckert, weil hier die oft nicht zur Debatte stehenden Grenzen zwischen Wahrnehmung, innerem Betrachten und bildhaftem Neuordnen leicht und dennoch sprachlich gelungen übersprungen werden.

Gulasch

wie wär’et met Gulasch?
Gulasch, dat wär’et doch!?
Gulasch, dat woär’et haut!
Gulasch ha mä aus’nanner gemach!

klä gehackt
kurz gebroot
weich geschmort
wupp gäss

met mir ka’mä’rt jo mache
säd et Flääsch
met mir aach
wääß et Mässer

Zu dem ausgesuchten Text schreibt der saarländische Autor und Sprecher der ‘bosener gruppe’ Peter Eckert:

Auch den weniger Sensiblen unter uns kann es nicht entgangen sein, wie sehr der Blickwinkel die Wahrnehmung der Welt bestimmt. »Wo gehobelt wird, fallen Späne.« Ganz klar: Das meint nicht Schreinerarbeit, sondern Umgang mit Menschen. Das karge Bild setzt kalt voraus: Hobeln muss sein. Nichts zu melden haben Hobel, verletztes Werkstück oder gar die zum Abfall gewordenen Späne.

Viel tiefer noch schneidet Karin Klees Gulasch-Skizze ins Leben: Selbstverständlich zielt sie, gerade auch in einer Zeit, in der »du Opfer« zum Spott- und Schimpfwort wurde, ebenfalls nicht ab aufs Kochen, sondern auf Zwischenmenschliches. Karin Klee lässt alle Beteiligten, Täter, Opfer und willfährige Helfer ihre Sichtweisen, Interessen, Motive offenbaren. Die Nutznießer, Leute, die gut essen wollen, blenden jede Auseinandersetzung mit Sinn und Berechtigung ihres Tuns einfach aus. Basta! Dagegen das Fleisch, ohne jede Chance, sich zur Wehr zu setzen: Mit mir kann man’s ja machen! Das klingt wie hilflos-ironischer Galgenhumor des Schwächeren. Dann aber, im »Mund« des Messers, schlägt derselbe Satz als klassische Mitläufer-Parole um in bittere Wahrheit. Kaum jemand hält dem eine treffendere Erkenntnis entgegen als Erich Kästner im Kinderbuch »Das fliegende Klassenzimmer«: An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.

Es zählt zu den herausragenden Fähigkeiten von Karin Klee, Menschen, Situationen sowie eingeübte und daher längst nicht mehr hinterfragte Floskeln nicht nur oberflächlich wahrzunehmen. Einfühlsam lässt sie in knapper, klarer und dennoch poetischer Sprache auch tiefere Schichten auf einleuchtende Weise sichtbar werden.