Drachelied von Petra Auernhammer

Das Gedicht Drachelied der aus Schmelzer stammenden und in Tholey-Überroth lebenden Autorin Petra Auernhammer ist Mundarttext des Monats im Oktober 2017, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’  bei seine letzten Treffen geeinigt.

Der Text wurde ausgewählt, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, weil er ein gelungenes Beispiel für einfühlsam Realpoesie ist und damit die starre Sicht der Herbstgedanken-Wehleidigkeit souverän außer Acht lässt.

Drachelied

Wend, Wend,
holl misch mett geschwend
onn wejs mä de Welt
van owen!

Häw misch hoch
bej de Sonn,
bej de Wollken onn schonn
danz ejsch aach for dejsch
ganz hegscht drowen!

Treh misch zart eroff!
Komm, ejsch waarten schon droff,
iwwer Wiese onn Feldä,
iwwer Aauen onn Wäldä,
loss misch danzen onn lachen,
datt Kind glecklich machen,
datt ahm Sählchin misch hält,
hat all Frähd van dä Welt.

Doch dä Sommä, dä Sommä moss gejn!
Komm mä wenken em noch!
Mä wenken,
onn doch,
ess dä Herbscht,
dä Herbscht schon se sejn!

Aus »So schwäddse mir im Landkreis Saarlouis«, Anthologie, Kelkel-Verlag 2016

Über den ausgesuchten Text schreibt der Journalist und Autor Manfred Spoo:

Petra Auernhammer wurde im Mai 1959 in Saarlouis geboren und arbeitete lange Jahre als Ergotherapeutin, bevor sie sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Seit den 1970er Jahren schreibt sie Kurzgeschichten und lyrische Texte, die u.a. in Anthologien und ihrem Buch »Zwischen den Zeiten oder Wo steckt das schwarze Schaaf in der Gewitternacht« (Kelkel-Verlag, 2014) veröffentlicht wurden.

Ihre Mundarttexte schreibt sie in Schmelzer Mundart. Dazu sagt Petra Auernhammer: »Schreiben ist meine Möglichkeit, große und kleine Emotionen, Episoden und Momente festzuhalten und davon zu erzählen.« Lieblingsthemen der Autorin sind das menschliche Miteinander und Begegnungen mit dem Leben und der Natur in den vielfältigsten Facetten. Aus ihren Texten spricht Herzenswärme. Das kann in einer digitalisierten Welt Mut machen und dazu anregen, in unserer rasend schnelllebigen Zeit einmal inne zu halten und den eigenen Blick auf die scheinbar kleinen Dinge zu richten.

So wie in ihrem »Drachelied«. Die Freude des Drachen, der die Welt von »ganz hegscht drowen« betrachtet – im Wissen, dass jeder Sommer, auch der Sommer des Lebens, in einen Herbst münden muss. Glücklich, wer darüber mutig nachdenken kann, weil er etwas von sich weitergibt, an »datt Kind datt ahm Sählchin misch hält«.

Petra Auernhammer lebt im beschaulichen Überroth, einem kleinen Ortsteil der saarländischen Gemeinde Tholey. Unter dem Titel »Sommergarten Kuriosum« veranstaltet
die Autorin Lesungen in ihrem Garten und ist auch ein gern gesehener Gast bei öffentlichen Literaturveranstaltungen.