Ausnahm von Bruno Hain

Das Gedicht Ausnahm des aus dem pfälzischen Böhl-Iggelheim stammenden Autors Bruno Hain ist Mundarttext des Monats im September 2017, darauf hat sich das Kolloquium der ‘bosener gruppe’  verständigt.

Der Text wurde ausgesucht, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, weil er ein Beispiel dafür ist, wie ein Gedicht gekonnt prägnant und zeitlos auch größere Zeitabschnitte mitsamt ihren technische »Errungenschaften« überdauern kann.

Ausnahm

s kummt mer
nix ins Haus
vun dene
neimorische
Technikferz
außer e
Telefon!
Weil donn
konn ich donn
endlich mol
im
Telefonbuch
moin Name
gedruckt sähne.

Der Text stammt aus dem Band »Schluck fer Schluck« von Bruno Hain, erschienen 1993 beim cjm-Verlag Speyer.

Über den ausgesuchten Text schreibt der Autor und Sprecher der ‘bosener gruppe’ Peter Eckert:

Bruno Hain ist einer der bekanntesten Mundartautoren der Pfalz, sicher nicht zuletzt auch wegen des breiten Spektrums der Themen, die er aufgreift.

Ein Vierteljahrhundert alt ist dieses Gedicht und scheint doch aus einer anderen Welt zu kommen. Internet war Spielzeug für Spinner. Funktelefone gab’s in Autos von Managern, sündhaft teuer Spaß. Und brikettgroße Handys schleppte man nicht ohne besonderen Grund mit sich herum. Man müsste angesichts allgegenwärtiger Elektronik heute eine Weile überlegen, welche »Technikferz« damals Unwillen und Verweigerungshaltung des betroffenen »Ichs« erregten. Wäre da nicht der scheinbar unschuldige letzte Satz, der doch noch die Brücke schlägt von heute zu diesem Gestern und zu jedem beliebigen Vorgestern. Ganz egal, wie – aus heutiger Sicht – rückständig die Technik mal war, und ganz egal, wie digital unsere Zukunft noch werden wird, eines bleibt analog und wird analog zu den Möglichkeiten eher noch zunehmen: die menschliche Eitelkeit. Längst zählt nicht mehr der gedruckte Name im Telefonbuch als Statussymbol, da geht es heute doch ganz anders zur Sache. Aber die Erkenntnis bewahrheitet sich immer wieder (und es wäre zu überlegen, ob sie wirklich tröstlich ist): Menschen sind und bleiben Menschen.